Acht Gehminuten liegen zwischen Nummer 21 und Nummer 29 nicht, eher acht Schritte. Trotzdem sind es zwei sehr unterschiedliche Geschäfte — und beide leben von etwas, das online schwer zu bestellen ist: Beratung.
Wanger Herrenmode — von zeitlosem Maß(stab) und neuem Stil
Dass die Getreidegassen-Adresse ebenso Visitenkarte ist wie das Angebot, weiß Michael Wanger, Betriebswirt und Marketingprofi. Und dass ein Fachgeschäft heute mehr denn je Showroom mit Beratung ist, auch. Gamechanger: neue Vorbilder in der Mode — Stichwort Influencer — und veränderte Einkaufsgewohnheiten. Grund genug, vorauszublicken.
Label-Liebe. Scabal, Lacoste, Fred Perry, Dsquared2, Emporio Armani und Dressler haben seit Jahren ihren Platz beim ersten Herrenausstatter »in der Gasse«. Bei Neuerungen setzen Katharina und Michael Wanger auf feine Nischenmarken — etwa den italienischen Strickproduzenten Artis mit sorgfältig gefertigten Cashmereteilen.
Qualitäts-Anspruch. Kuratiert wird nach Qualität und Komfort, wenn möglich mit Naturfasern: Baumwolle, Wolle & Co. sind hautfreundlich, geruchsneutral, atmungsaktiv, hypoallergen, antistatisch und selbstreinigend. »Oft genügt es schon, Anzüge und Pullover aushängen und lüften zu lassen.«
Slow Fashion. Natürliche Materialien, Öko-Zertifizierungen, biologisch abbaubare Stoffe, fairer Rohstoffhandel. »Natürlich muss Man(n) für hochwertige Textilien tiefer in die Tasche greifen. Aber das ist wie mit allem im Leben: Entscheiden heißt verzichten.«
Augenmaß. Unter der Marke »absolut MOZART« gibt es hochwertige Textilien made in Europa. Hemden, Anzüge und Jeans sind auf Wunsch nach Maß erhältlich. Die Stärke eines Fachgeschäfts: Es geht nicht um Neues, sondern um das Richtige.
Wanger Herrenmode, Getreidegasse 21, Tel. 0662 8401610, wanger.at
Trachten Wenger — die Überraschung im erst

Zwischen Zunftschildern, Selfiestangen und dem dreiundzwanzigsten Souvenirshop übersieht man in der Getreidegasse eine schmale Tür leicht. Nummer 29. Ein kleiner Eingang, ein schmales Geschäft dahinter.
Trachten Wenger gibt es hier seit 1969 und ist geblieben, was es immer schon war: ein Familienbetrieb. Geführt wird er von Petra Wenger, die den Laden weiterdenkt, ohne ihn zu verbiegen. Kein Conceptstore, keine Schischi. Stattdessen Stangen voll mit dem, wofür man eigentlich kommt: Dirndl von schlicht bis festlich, Lederhosen, Trachtenblusen, Schürzen, Herrenmode, Kindertracht. Dazu, was eine Tracht erst fertig macht — Schuhe, Tücher, Krawatten, Halsketten. Das Ganze von STAPF, Spieth & Wensky, K&K Kaiserjäger und aus der eigenen Wenger Linie. Die Stoffe sucht Petra Wenger bei regionalen Produzent:innen aus, genäht wird in Werkstätten in der Umgebung.
Das Beste am Laden ist ohnehin die Zeit, die sich Petra Wenger und ihr dreiköpfiges Team für dich nehmen. Sie schauen sich an, wie der Schnitt am Rücken passt, ob dieses Grün wirklich deines ist oder nur schön am Bügel, und welche Länge der Rock haben muss. Es wird nicht verkauft, sondern beraten.
Ein einziges No-Go gibt es: »Dirndl, die überm Knie enden. Alles andere sehe ich entspannter als die ›Trachten-Etikette‹.« Und welche Farben geben diesen Herbst den Ton an? »Blau- und Rottöne in allen Varianten, Grün- und Brauntöne. Blusen sind an den Schultern wieder ausladender, also Flügelblusen aus Taft, Baumwollblusen mit Puffärmeln. Letztere sind mein Favorit.«
Trachten Wenger, Getreidegasse 29, Tel. 0662 841677

