Diese Baustelle wird Salzburg bis 2030 beschäftigen: Wegen des Umbaus im Festspielbezirk ist das Neutor seit 14. September gesperrt. Für Autofahrer:innen heißt es umdrehen oder großräumig ausweichen. Bis voraussichtlich März 2027 bleibt die Verbindung durch den Mönchsberg für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Was gilt jetzt
Für die kommenden rund sechs Monate gelten neue Spielregeln: Während der motorisierte Verkehr Pause hat, bleibt das Tor zu Fuß und mit dem Fahrrad passierbar — das Rad muss allerdings geschoben werden. Nach der ersten Bauphase soll eine Fahrspur wieder öffnen, Einschränkungen im Zuge des »Festspielbezirks 2030« bleiben bis 2030 bestehen. Die Altstadtgarage ist aus Richtung Riedenburg weiterhin geöffnet.
Auch der Busverkehr muss neue Wege nehmen: Die Linien 1, 8, 10 und 22 werden großräumig über die Müllner Hauptstraße umgeleitet, zusätzlich fährt die neue Verstärkerlinie 10E. Stadt und Land Salzburg sowie der Salzburger Verkehrsverbund wollen die Baustellenphase zum Umstieg auf die Öffis nutzen: 20.000 kostenlose Tageskarten, sogenannte »Umsteigertickets«, sollen zum Ausprobieren bewegen.
Freude über weniger Innenstadtverkehr
Über weniger Autos und mehr Öffi-Nutzer:innen freut sich Roswitha Müller von der Bürger:innen-Initiative »Platz für Salzburg«. »Von den vielen Tausend Pendler:innen kommt ein Teil mit dem PKW in die Stadt. Wenn sie nun große Schleifen fahren müssen, um an ihre Ziele zu kommen, fragen sie sich wahrscheinlich bald, ob es nicht schlauer wäre, mit dem Bus oder dem Rad in der Stadt unterwegs zu sein.«
Auch Karin Rachbauer-Lehenauer, Leiterin des Spielzeug Museum Salzburg, sieht Vorteile: »Wer mit dem Kinderwagen aus unserem Haus kommt, den trennt nur ein schmaler Gehsteig von der viel befahrenen Bürgerspitalgasse. Allein vom Baulichen her ist es für uns also besser, so wenig Autos wie möglich zu haben.«
Geschäftsleute warten ab
In der Getreidegasse 47 befindet sich Jeannette Mangs Schuhgeschäft »Bellas«, das von den Menschen lebt, die vorbeiflanieren. Dass in der Getreidegasse ohnehin nicht zum Einkaufen vorgefahren werden kann und ihre Kundschaft die Garage weiterhin zum Parken nutzen kann, stimmt sie zuversichtlich.
Anamaria Stecher, Geschäftsführerin des »Maison Colloredo«, ist vorsichtiger: »Ein bisschen Bauchweh habe ich. Wie es in den kommenden Monaten wird, können wir jetzt schwer sagen.« Ihr Geschäftslokal liegt bewusst nahe der Getreidegasse, viele Kund:innen kommen aus der Altstadtgarage oder entdecken das Geschäft im Vorbeifahren. »Unsere Sichtbarkeit wird durch die Baustelle sicher etwas leiden.«
Am Universitätsplatz verkauft Christoph Veit frische Blumen. Dem Sprecher der Marktstandbetreiber:innen bringt die Sperre sogar Entspannung: Während der ersten Bauphase dürfen einige Stände am Grünmarkt über Nacht bleiben — jene, die darum angesucht und eine Bewilligung erhalten haben. »Für uns ist das sogar praktisch, wenn wir nicht jeden Tag zum Markt ein- und am Abend wieder ausfahren müssen.«
Altstadtbewohner:innen stark herausgefordert
»Mit Beginn der Neutorsperre müssen wir Altstadtbewohner:innen immense Umwege zwischen unseren Wohnungen und Parkplätzen in Kauf nehmen«, kritisiert Claudia Schmidt. Sie ist eine von rund zweieinhalbtausend Bewohner:innen der linken Altstadt. Um vom Alten Markt zu ihrem Stellplatz in der Altstadtgarage zu gelangen, fährt sie nun aus der Altstadt hinaus und über den Rudolfskai und Krauthügel, um die Garage von der Riedenburg aus anzusteuern. Die Sperre in Kombination mit den Bauarbeiten am Makartplatz und dem Brückenneubau in der Mildenburggasse stelle »eine prekäre Situation für den Salzburger Verkehr« dar.
Rotes Kreuz umfährt das Neutor ohnehin oft
»Für den Rettungsdienst erwarten wir durch die Neutorsperre voraussichtlich nur geringe bis keine Auswirkungen. Einsatzfahrzeuge von Rettungs- und Notfalldiensten sind von der Sperre ausgenommen und können die betroffenen Bereiche bei Einsätzen weiterhin passieren«, berichtet Helmut Steinkogler, Bezirksgeschäftsführer des Roten Kreuzes. Die Teams wählen die Zufahrtswege ohnehin je nach Einsatzort und Verkehrslage flexibel, häufig erfolgt die Anfahrt zur Altstadt über alternative Routen.
Wie tief die Neutorsperre tatsächlich in den Alltag der Stadt eingreift, wird sich wohl erst zeigen, wenn aus den angekündigten Umwegen gelebte Routine geworden ist.

