Oft ist das ausgehende Jahr ja Anlass für jede Menge Rückblicke. Wir wollen hier das genaue Gegenteil tun: nach vorne schauen. Welche Themen werden uns Salzburger im kommenden Jahr besch.ftigen? Ein Vorausblick ins Jahr 2025!

Leerstand in der Altstadt
Der Eindruck, den man beim Studium der Salzburger Medien im ausgehenden Jahr mitunter gewinnen konnte, täuscht: Leerstand ist grundsätzlich kein lokales, sondern ein europaweites Phänomen. »Der Handel verändert sich, und das spiegelt sich auch in den Verkaufsflächen wider, die gebraucht oder eben nicht mehr gebraucht werden «, fasst es Roland Aigner, Geschäftsführer des Altstadtverbandes, zusammen. In Städten mit großen Kaufhäusern, die plötzlich schließen, könne das kurzfristig zu Leerständen von 30% und darüber führen. »In Salzburg geht es uns mit einer Leerstands- Quote zwischen 5 und 7 % vergleichsweise gut«, so Aigner. Dazu tue sich gerade einiges, damit auch die leerstehenden Flächen wieder einer Nutzung zugeführt werden. So wird das Geschäftslokal, in dem lange Zeit die Handelskette Zara beheimatet war, mit Ende des Jahres wieder an ein Textilunternehmen vermietet. Der ehemalige Alpha Tauri wird bereits wieder bespielt (Manner- Shop), McDonalds (eine Five-Guys-Filiale kommt) sowie der Ava-Hof werden nach Fertigstellung der jeweiligen Baustellen folgen. »Großartig beeinflussen können wir den Markt trotzdem nicht«, erzählt Aigner. »Private Immobilieneigentümer dürfen am freien Markt auch frei agieren.« Was es bräuchte? Mehr Bewusstsein dafür, dass es nicht nur um Rendite geht, sondern auch darum, der Stadt, von der man schließlich etwas bekommt, auch etwas zurückzugeben. Aigner ist sich trotzdem sicher, dass die Zukunft in der Stadt liegt. Das Modell Shopping- Center habe, darin sind sich die Experten einig, ausgedient. »Und die Altstadt ist mit mehr als 500 sehr individuellen Geschäften, einem tollen Branchen-Mix und einzigartigem Handwerk gut aufgestellt.«

Open Air am Residenzplatz
Viele von uns erinnern sich noch an die glorreichen Zeiten in den 1980er- und 1990er-Jahren, als am Residenzplatz internationale Stars wie Tina Turner, Joe Cocker und Neil Young live rockten und die Salzburger Altstadt zum Beben brachten. Das waren Konzerte, von denen man noch Monate später sprach. Nach den 1990ern wurden die Konzerte weniger, und nach dem von Herbert Grönemeyer im Juni 2016 war endgültig Schluss. In den letzten Monaten war wieder viel darüber zu lesen, dass es neuerlich Open Airs am Residenzplatz geben soll. Wirtschaftlich mache es allerdings nur dann Sinn, wenn die Konzerte an zwei Tagen hintereinander stattfinden, hieß es dazu aus dem Büro des Bürgermeisters. Seit einigen Wochen nun steht fest: Am 9. und 10. Mai 2025 wird es jeweils zwei Open-Air- Konzerte mit mit max. 10.000 Zusehern geben. Geplant ist, dass der Haupt-Act an einem Tag eine österreichische Band und am anderen Tag eine internationale Band sein wird. Zum Redaktionsschluss stand leider noch nicht fest, wer uns beehren wird, bzw. stand es fest, aus vertraglichen Gründen konnten aber noch keine Namen genannt werden. Anfang Dezember soll es verkündet werden. Wir sind gespannt. Denn ob es gelingt, an die glorreichen Zeiten von anno dazumal anzuschließen, wird wesentlich davon abhängen, welche Acts man in dieser Zeit (knapp vor Beginn der sommerlichen Open-Air-Saison) verpflichten kann.

Sound of Music
2025 ist es so weit: Mit Sound of Music feiert einer der erfolgreichsten Hollywood-Streifen der Filmgeschichte seinen 60. Geburtstag. Aber obwohl die Melodien einprägsam, die Schauspieler hervorragend und die Locations in und um Salzburg atemberaubend waren, ist der Film über die Erzieherin Maria, die als Hauslehrerin bei der Trapp-Familie anheuert und bald darauf den verwitweten Vater heiratet, um mit ihm und seinen Kindern in die USA zu emigrieren, wo sie gemeinsam als die »Trapp Family Singers« mit ihren Auftritten Welterfolge feiern, bei den Salzburgern nie so recht angekommen, wofür es viele Gründe gibt. Dass die Rezeption hauptsächlich von außen kommt, soll sich bald schon ändern, wenn es nach Peter Husty, Chefkurator des Salzburg Museums, geht. Schon 2011 kuratierte der Kunsthistoriker eine Ausstellung zum Thema – damals lief das Musical zum allerersten Mal im Landestheater –, die auch Auslöser dafür war, von Stadt und Land den Auftrag zu bekommen, ein Sound-of- Music-Museum zu errichten. Standort wird Hellbrunn sein, in der Nähe des Pavillons (im Film »Gazebo« genannt), der einzigen verbliebenen Filmkulisse, die auf der Tour immer noch große Anziehungskraft auf die Touristen ausübt. Erzählt werden soll zum einen die Geschichte der Familie Trapp, wie sie sich wirklich zugetragen hat, und zum anderen die Geschichte der Filme und des Musicals, und zwar »nicht kommerziell orientiert und touristisch ausgerichtet, sondern mit wissenschaftlich fundiertem Hintergrund«, so Husty. Fertig wird das Museum zwar erst ein Jahr nach dem Filmjubiläum, 2026 also, aber bis dahin hat man im Salzburg Museum mit Neuer Residenz und Welterbe-Zentrum ohnehin genug zu tun.
Neugestaltung Waagplatz und Mozartplatz
Nach erfolgreich abgeschlossener Neugestaltung der Judengasse wird ab Anfang März 2025 mit der Umgestaltung des Waagplatzes begonnen. Dafür wird der Asphalt entfernt und gegen Pflastersteine aus Herschenberger Granit – in der Platzmitte kleinere und rundherum an den Fassaden größere Steinen – ausgetauscht, erzählt uns Christian Bratka, Projektkoordinator der MA6 (Baucontrolling). Im Bereich des KuK-Gastgartens wird ein Baum gepflanzt, genauer gesagt eine Silber-Linde (Tilia Tomentosa), und mit einem Baumrost umfasst. Die Linde soll – so wollen es die Planer – groß wachsen, um schon baldmöglichst viel Schatten zu spenden. Richtung Judengasse wird es (in Reminiszenz an den früher im Traklmuseum situierten Traklbrunnen) einen Trinkbrunnen mit Schale und Sitzwürfeln geben, die den Brunnen ein wenig »abpollern«, damit er nicht von Fahrzeugen beschädigt werden kann. Fertig sein will man mit dem Umbau bis Ende Juni/ Anfang Juli, noch vor Beginn der Festspielsaison also. Ab Frühjahr 2026 folgt dann die Neugestaltung des Mozartplatzes. Dort war ursprünglich als nachhaltige klimatechnische Maßnahme eine entsiegelte Fläche geplant. Schotter statt Asphalt, wie etwa am Residenzplatz, habe den Vorteil, so Bratka, dass der Regen, nachdem er gefallen ist, langsamer versickert. »Es bildet sich ein Feuchtkörper, der im Sommer länger kühl hält als Betonplatten, auf denen das Wasser schnell verdampft.« Weil Anrainer aber Bedenken äußerten, was die Staubentwicklung betrifft, ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es gilt, die Kimaschutzmaßnahmen gegen eine etwaige Staubmehrbelastung abzuwägen.
FOTOS ANDREAS KOLARIK, NEUMAYER.CC, ANDREW PHELPS, ARCH.BÜRO LOHRER U. HOCHREIN
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