Im Herzen der Salzburger Altstadt steht Großes an: Auf der einen Seite wird das Land Salzburg die Neue Residenz generalsanieren. Auf der anderen Seite wird sich das Salzburg Museum im zweiten Innenhof der Neuen Residenz erweitern und in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Galerie Belvedere das »Belvedere Salzburg« realisieren.
Die Idee für ein Salzburger Belvedere entstand anlässlich der Landesausstellung 2016. Damals machten das Salzburg Museum und das Wiener Belvedere zum ersten Mal gemeinsame Sache. Der Auslöser für die Kooperation liegt weit zurück, denn mit der Säkularisierung des Erzbistums vor mehr als zweihundert Jahren kamen viele Stücke aus der erzbischöflichen Sammlung einfach abhanden. Ob Wien oder München, die jeweiligen Machthaber »sackten« sich die schönsten Stücke »ein« und dort blieben sie dann auch zum größten Teil, erzählt uns Cay Bubendorfer, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Salzburg Museums. Erst im Zuge der Feierlichkeiten 2016 zur zweihundertjährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich wurde ein größeres Konvolut an Kunstwerken des Kunsthistorischen Museums und der Österreichischen Galerie Belvedere an das Land Salzburg zurückgegeben. Gleichzeitig übertrug die Republik Österreich anlässlich des Jubiläums auch mehrere Immobilien in das Eigentum des Landes. Dazu zählten neben der Festung auch die Neue Residenz, in der das Salzburg Museum seit 2006 beheimatet ist. So viel zum geschichtlichen Hintergrund.
Die Zusammenarbeit der beiden Museen jedenfalls funktionierte so gut, dass die DirektorInnen Stella Rollig (Belvedere Wien) und Martin Hochleitner (Salzburg Museum) begannen, laut über eine weitere Kooperation nachzudenken. Es wäre doch schön und im Sinne der Salzburger, wenn Stücke aus der Sammlung Belvedere, die in Wien sind, aber eigentlich aus Salzburg stammen, weiterhin gezeigt werden könnten. Oder nicht? Klar. Voraussetzung dafür war allerdings eine Erweiterung der Museumsflächen. Als erster Schritt wurde daher eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Schließlich ist Bauen im Bereich des Weltkulturerbes eine hochbrisante Angelegenheit. Es folgten ein Grundlagenkonzept für das »Belvedere Salzburg « und gemeinsam erarbeitete Vorgaben bzw. Anliegen für einen internationalen Architektenwettbewerb, den man nach entsprechender politischer Willensbildung ausschrieb, und aus dem der Entwurf der Architekturbüros Schenker Salvi Weber aus Wien gemeinsam mit Eidos aus Salzburg einstimmig als Sieger hervorging.
Grüne Oase
Das Projekt, das in den kommenden Jahren realisiert wird, sieht nun so aus: Unter dem zweiten Innenhof der Neuen Residenz – unter dem ersten Innenhof befindet sich die Kunsthalle des Salzburg Museums – entsteht eine zweite Kunsthalle, die zum Standort Belvedere Salzburg wird, einen repräsentativen Auftritt der Bundessammlung in Salzburg zuermöglichen – so lautete auch die klare Planungsvorgabe, erzählt uns Museumsdirektor Martin Hochleitner. Zusätzlich dazu wird der bislang öffentlich nicht zugängliche zweite Innenhof geöffnet und zu einem hochattraktiven, frei zugänglichen Areal umgestaltet. Ziel ist es, einen Ort des Verweilens entlang des öffentlichen Gehweges in der Altstadt entstehen zu lassen. Eine konsumfreie Zone nach dem Vorbild der Bibliothèque nationale oder des Wiener Museumsquartiers.
Wichtig sei, dass der Entwurf in Analogie zu den in Salzburg bekannten Passagen und historischen Gartenräumen mit italienischem Einfluss steht, so Hochleitner. »Neben den Plätzen und Gassen sind ja auch die Innenhöfe mitzudenken.« Ein weiteres bestechendes Detail der architektonischen Planung ist einen kreisförmiger Lichtbrunnen, der bis auf den Boden der Kunsthalle reichen und Tageslicht in die Halle werfen wird. Der Auftritt der Österreichischen Galerie Belvedere in Salzburg ist grundsätzlich als eine Dauerausstellung gedacht, mit der Möglichkeit, die Sichtbarkeit bedeutender Werke aus der Sammlung des Belvedere in einer großen kunsthistorischen Erzählung und mit präzisen Bezügen zu Salzburg zu präsentieren, so Cay Bubendorfer, d.h. man erhält einen Einblick in die Wiener Sammlung, aber immer mit Salzburgbezug. Die ersten Visualisierungen zeigen ein wirklich einzigartiges Kooperationsprojekt zweier Museen, das sowohl für die Salzburger als auch für Touristen attraktiv sein wird.


BELVEDERE SALZBURG – TIMELINE
August 2024: Fertigstellung der Baugrube
Dezember 2026: Fertigstellung Museum Erstes Halbjahr
2027: Eröffnung Museum Belvedere Salzburg
Salzburg Museum – Gastspiel
Wie geht es nun weiter? Bis zur Fertigstellung 2027 bleibt das Haupthaus aufgrund der Bauarbeiten geschlossen, das Salzburg Museum geht allerdings auf Gastspiel-Tournee. Das heißt, das Salzburg Museum wird mit knapp fünfzehn Ausstellungen in Kooperation mit Museen, Galerien und anderen Partner- Institutionen in Stadt und Land Salzburg auch während der Schließung sichtbar sein. Den Auftakt macht die Ausstellung »Heilige Orte – Ansichten von Hubert Sattler (1817 – 1904)« im DomQuartier. Schon als junger Mann reiste Hubert Sattler (Sohn des Schöpfers des berühmten Sattler-Panoramas) zehn Jahre lang durch Mitteleuropa, besuchte ab 1842 als eigenständiger Reisemaler u.a. den östlichen Mittelmeerraum und Mittelamerika – und brachte unzählige Skizzen aus den damals fernsten Gegenden der Welt mit, die er dann zu meisterlichen großformatige Ölgemälden ausarbeitete. Seinen Reiserouten folgend präsentiert die Ausstellung ausgewählte »Kosmoramen« (griech. cosmos für Welt und orama für Ansicht) und erstmals auch Zeichnungen, die vor Ort entstanden. So kann man »in die Vergangenheit zu antiken Sehenswürdigkeiten reisen«, fasst es Kuratorin Katja Mittendorfer- Oppolzer gut zusammen. Tatsächlich öffnet die Ausstellung »ein interessantes Fenster in die Welt«, wie es Andrea Stockhammer, Direktorin des DomQuartier Salzburg, sieht – eine Welt, in der es noch kein Google Earth gab und die breite Masse ihr Fernweh nicht mit Pauschalreisen, sondern mit dem Blick in einen Guckkasten stillte.
Es folgt (ab Juli 2024) eine VALIE-EXPORTAusstellung im Halleiner Keltenmuseum, in der die österreichische Ausnahme- Künstlerin einen spannenden Blick auf das eigene Werk werfen wird. Apropos Sattler: Das berühmte Sattler- Panorama ist während des Umbaus sicher verwahrt und übersiedelt in das ehemalige Barock-Museum im Mirabellgarten. Dort, wo ein Ausstellungszentrum zum Thema Welterbe Salzburgs entsteht, wird das Panorama ab Anfang 2025 und zu seinem 200. Geburtstag also wieder zu sehen sein.
Bleiben noch die Bauarbeiten, die aufgrund ihrer hohen Komplexität einen eigenen Artikel wert wären, denn schon seit Herbst 2023 untersucht ein Team von Archäologinnen und Archäologen den Untergrund im zweiten Innenhof der Neuen Residenz. Mit Stand März 2024 sind die Grabungen zwischen zwei und zweieinhalb Metern in den Untergrund vorgedrungen. Das Aushubmaterial wird penibel gesichtet und untersucht. Mit ersten interessanten Ergebnissen: An Stelle von Wolf Dietrichs »Palazzo Nuovo « hat sich wohl vor fast 2.000 Jahren schon ein repräsentativer Bau befunden, eine Stadtvilla mit Garten-Peristyl.
FOTOS SALZBURG MUSEUM / LEO NEUMAYR / ANDREW PHELPS /FILIPPO BOLOGNESE IMAGES
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