Tobias Pötzelsberger, Elisabeth Fuchs und ihre Liebe zur Musik

by Markus Deisenberger
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Zwei interessante Persönlichkeiten aus völlig unterschiedlichen Bereichen erzählten uns aus ihrem Musikerleben. Heraus kamen dabei sehr persönliche Positionen zu tragenden Rollen und ungerechtfertigter Kritik.

Gute Nachrichten

Wenn der EU-Wahltag und die letzte Elefantenrunde vor der Tür stehen, hat Tobias Pötzelsberger eigentlich Besseres zu tun als Interviews zu geben. Er muss seine Moderationen für den ORF vorbereiten. Insofern war der Zeitpunkt, um die Single »Carry you« als Vorbote für ein im Herbst herauskommendes Album rauszubringen, nicht optimal. Aber: »Wenn du das neben der Arbeit machst, gibt es den guten Zeitpunkt eigentlich eh nie«, sagt der gebürtige Oberösterreicher, der in Salzburg studierte und lange für den ORF Salzburg arbeitete, bevor er auf den Küniglberg wechselte. Deshalb müsse man auch aufpassen, dass man vor lauter Anstrengung nicht darauf vergisst zu genießen. »Ich mache Musik ja aus reiner Freude. Dann soll sie auch Spaß machen.«

Begonnen hat Pötzelsberger mit Gitarre und Gesang lange bevor er das erste Mal in die Kamera linste, nämlich im zarten Teenager-Alter. Mit Eva Klampfer (die man heute als Lylit kennt) und einigen anderen Freunden gründete er die Band »On Wings to Kasmir«. Mit Neunzehn begann er dann eigene Songs zu schreiben. Es folgten zwei Alben mit »The More or the Less«. Ja, und dann kam halt irgendwann die Karriere als Journalist »dazwischen«. Aus der ZIB ist Pötzelsberger heute nicht mehr wegzudenken, trotzdem hat er nie mit der Musik aufgehört. »Ich spiele noch immer fast jeden Tag Gitarre«, erzählt er. »Ich wollte diese Seite an mir einfach nicht aufgeben und hätte mir, glaube ich, irgendwann Vorwürfe gemacht, wenn ich diese Leidenschaft zugunsten der Arbeit ganz aufgegeben hätte.«

Irgendwann hatten sich so viele Songs angesammelt, dass die Idee entstand, ein Album zu veröffentlichen. »Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, das alles einfach wegzuwerfen.«

Seinem Stil, den er als »folky« und »Singer Songwriter-Americana« beschreibt, ist er treu geblieben. Dieses Mal aber wollte er sich nicht mehr hinter einem möglichst komplizierten Bandnamen verstecken wie früher, sondern mit dem eigenen Namen dazu stehen. Macht auch Sinn, wenn Musik persönlich wird. Die Single »Carry you« verhandelt das Thema Vatersein oder die Reflexion darüber, wie man ein guter Vater sein kann, und dass man Kindern Fliegen beibringen muss, damit sie ihr Nest irgendwann auch verlassen können.

Sieht er die Bekanntheit, die er mittlerweile erlangt hat, als Vor- oder Nachteil für seine Musik? »Beides.« Einerseits sei die Aufmerksamkeit höher, aber eben auch die Verwundbarkeit, wenn man »ein Stück Herzblut offen darlegt« und – wie auf dem kommenden Album – viel übers persönliche Scheitern spricht. Genau deshalb sei er beim Musikmachen auch deutlich aufgeregter als bei einer Nachrichtensendung, verrät er. Damit, »dass die eine oder andere Kritik vielleicht ein bisschen schärfer ausfällt, weil ich beim ORF bin«, hat er gerechnet. Über die im Standard erschienene, die einerseits wohlwollend meinte, die Musik sei »mit vollem Herzen gespielt, aber halt auch dem ›Lalelu-Pop‹ zuzurechnen«, habe er jedenfalls herzlich lachen können. Letztlich sei Musik doch eine Geschmacksfrage. Und: »Ich habe auch sehr gute Kritiken bekommen, da fällt eine ›gfeanzte‹ nicht so ins Gewicht.« Den Titel des kommenden Albums »Prudence« – am besten mit Umsicht, Vorsicht und Nachsicht übersetzt – will er als kleinen Appell an die Welt verstanden wissen. Das sei nämlich genau das, was ihr derzeit fehle: Gelassenheit oder, um es in der Tennissprache – Pötzelsberger ist begeisterter Hobby- Spieler – zu sagen: »Weniger John McEnroe und mehr Björn Borg.« Im Herbst wird der ORF-Star sein Album auf einer Tour durch Österreich vorstellen. Die beginnt übrigens knapp vor der Nationalratswahl.

Große Aussprachen

Elisabeth Fuchs, die Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg und künstlerische Leiterin der Kinderfestspiele, sah sich zuletzt mit harscher Kritik zu ihrem Führungsstil konfrontiert. Der sei autoritär, hieß es in einem Artikel. Außerdem werde das Orchester schlecht bezahlt. Wer Elisabeth Fuchs, ihr offenes, begeisterungsfähiges Wesen und ihre joviale Art kennt, war einigermaßen erstaunt über die Vorwürfe.

Sie selbst nahm sich die Kritik sehr zu Herzen, ging zuerst in sich, um danach in mehreren Orchester-Aussprachen auf die Musiker zuzugehen. Ihr Führungsstil habe natürlich mit der Begeisterung für die Sache, dem eigenen Anspruch zu tun. »Wenn jemand in der dritten Probe seinen Part immer noch nicht beherrscht, kann ich schon einmal scharf werden. Dass ich mich nachher dafür entschuldige, ist aber auch klar.« Dass Handys bei einer Orchesterprobe nichts verloren haben, ist eigentlich logisch. »Wenn jemand den Einsatz versäumt, weil er was auf dem Handy schauen muss, dann ist das nicht nur für mich, sondern für alle Beteiligten ärgerlich.«

Die Initiative »Fair Pay« begrüßt Fuchs natürlich. »Das Thema steht seit Jahren auf unserer Agenda.« Leider sei es derzeit noch nicht finanzierbar. Die Philharmonie Salzburg sei mit fast hundert Musiker: innen, einem freiwilligen Chor von zweihundert begeisterten Sänger:innen, über hundert Orchester-Auftritten und über siebzig Kammermusik-Auftritten zwar einer der größten Akteure in der freien Salzburger Szene. Doch dem hohen Gesamtumsatz von 2,55 Mio. Euro (Stand 2023, ohne Kinderfestspiele) stünde ein eher geringer Anteil an Subventionen (nur 6,9 %) gegenüber, der es derzeit – anders als die Berichterstattung suggeriert habe – noch nicht erlaube »Fair Pay«, d.h. nach den Honorarempfehlungen der Initiative für freischaffende Musiker:innen, zu bezahlen.

»Dass jemand sagt, entweder ich werde Fair Pay bezahlt oder ich spiele nicht, ist voll okay«, sagt Fuchs. »Aber die andere Seite ist: Wenn ich ein Konzert im großen Saal des Mozarteums Fair Pay bezahle, macht das Konzert 25.000 Euro Verlust.« So lange die Mittel nicht deutlich aufgestockt werden, sei Fair Pay daher nicht realisierbar.

Und jede Medaille hat auch zwei Seiten: 72,60 Euro etwa für 60 Minuten Musikunterricht könne eine Familie, die mehrere Kinder hat, kaum aufbringen, so Fuchs. Wenn das Lehrer tatsächlich verlangen würden, sei klar, wer darunter leiden würde: Die Kinder. Das Gleiche gelte für ihre Education-Programme. Ihr sei schon klar, dass die kolportierten 60 Euro nicht viel für eine Stunde Musik auf höchstem Niveau sind, aber »mehr Geld ist nicht da. Sonst gibt es halt keine Kinderkonzerte mehr und wir müssen es sein lassen. Aber wer geht dann künftig in Konzerte? Das Publikum altert. Wenn man mit den aktiven Musikern spricht, sagen die: Es ist zwar nicht Fair Pay, aber echt okay.« Diejenigen, die schlechte Bezahlung moniert hatten, würden etwa auch in der Kirche spielen. Für wesentlich weniger Gage.

FOTOS BARNABAS WILHELM & ERIKA MAYER

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