»Wenn die Menschen sagen, sie wollen nichts geschenkt haben, so ist es gemeiniglich ein Zeichen, dass sie etwas geschenkt haben wollen.«

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), deutscher Physiker und Meister des Aphorismus

Für den einen bedeutet es eine Freude, für den anderen ist es eine Pflicht, der Dritte findet es lästig – das Schenken. Abgesehen von den Kosten sind Taktgefühl und Zeit erforderlich um ein passendes Geschenk auszusuchen. Manchmal benötigt jedoch der Beschenkte ein gehöriges Maß an Selbstbeherrschung, um seine Enttäuschung nicht zu zeigen. Leichter lässt sich diese ertragen, wenn man den Charakter des Gebers vorab kennt:

»Analysten« erwägen mit dem zu Beschenkenden so lange die Vor- und Nachteile des zukünftigen Geschenkes, bis dieser die Freude daran verliert.
»Anzügliche« haben von ME TOO noch nichts gehört und finden es besonders witzig, zum Beispiel sprechende Klopapier- Rollen, Fußbälle in Form einer weiblichen Brust und Ähnliches zu verschenken.
»Chaoten« kaufen am Weihnachtsabend kurz vor Geschäftsschluss ein. Sie sind die Lieblinge aller VerkäuferInnen, denn Geld spielt dann meist keine Rolle mehr.
»Dreiste« stehen mit leeren Händen unterm Weihnachtsbaum und versprechen Geschenke, die in der Regeln nie eintreffen werden.
»Egoisten« schenken ohne nachzudenken das, was sie selbst gerne hätten.
»Eifrige« notieren das ganze Jahr über Namen und Wünsche und Vorlieben der zu Beschenkenden. Leider übersehen sie, dass deren Wünsche sich auch ändern können.
»Exoten« überraschen mit Dingen, die ein »Normalbürger« kaum benötigt.
»Geizige« wollen das Schenken überhaupt abschaffen: »Was soll ich Euch denn schenken, Ihr habt doch alles!« »Großzügige« können dann daneben liegen, wenn das Gegengeschenk des Beschenkten sehr sparsam ausgefallen ist. »Hirnlose« zücken ganz einfach die Brieftasche und überreichen einen Geldschein.
»Konfuse« vergessen wen sie beschenken wollten, und ganz Wirre vergessen auch den Anlass.
»Kreative« suchen krampfhaft nach Ausgefallenem und sei es, sich in Geschenkpapier gewickelt selbst unter den Weihnachtsbaum zu setzen.
»Naive« glauben, dass nur sie alleine von allen anderen beschenkt werden müssen.
»Narzisten« wollen durch ihre Gaben bewundert werden, erwähnen was das Geschenk gekostet hat und welche Mühe sie bei der Suche nach diesem auf sich genommen haben. »Neureiche« wollen es bei der Gelegenheit mal so richtig der armen Verwandtschaft zeigen.
»Ökologische« überraschen nicht wirklich mit Fair-Trade- Produkten, auch wenn es Unsummen kostet, diese aus den Herstellungsländern zu importieren.
»Ökonomische« greifen bei günstigen Kaufgelegenheiten unter dem Jahr zu und ärgern sich, wenn diese Gegenstände bis zum Fest weiter reduziert wurden.
»Pedantische« packen die Geschenke bereits im Hochsommer ein.
»Perfide« wollen sticheln, ärgern, kränken, zum Beispiel indem sie einem Antialkoholiker eine Flasche Wein schenken. »Phlegmatische« kann nichts aus der Ruhe bringen, auch nicht die Tatsache, ohne Geschenk unter dem Weihnachtsbaum zu stehen.
»Praktische« Männer schenken oft Handwerkszeug oder Haushaltsgeräte, Frauen selbst Eingemachtes, Gestricktes oder Gemaltes.
»Sparsame« bügeln das Geschenkpapier und die Bänder des Vorjahres auf und basteln aus alten Billets neue.
»Spießige« verschenken Dinge, die sich jeder »eigentlich« selbst leisten könnte.
»Wiederverwerter« entledigen sich der Dinge, die sie selbst bekamen und keine Verwendung dafür hatten. Diese könn(t)en dem neuen Beschenkten trotzdem große Freude machen. Peinlich ist nur, wenn zum Beispiel noch ein altes Namenskärtchen daran hängt oder sich in einem Buch eine verräterische Widmung befindet.

Auch wenn Sie sich unter all diesen Typen nicht wiederfinden, eines sollten auch Sie sich merken: »Das Gute, welches du anderen tust, tust du immer auch dir selbst.«

ILLUSTRATION VASITTI TEXT MAG. EVA VON SCHILGEN

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