Majestätisch liegt Stift Nonnberg auf einer kleinen Anhöhe unterhalb der Festung Hohensalzburg, mitten im Herzen der Stadt. Hier beten und arbeiten seit über 1300 Jahren Benediktinerinnen in klösterlicher Abgeschiedenheit, erreichbar nur über eine enge Gasse oder über eine Stiege. Oben herrscht eine fast unwirkliche Ruhe, es scheint, als bliebe die Zeit stehen. Doch das wird sich ändern, wenn Salzburgs beliebtestes Gotteshaus, die Stiftskirche der Benediktiner Erzabtei St. Peter wegen Renovierung für ein Jahr schließt und die sonntäglichen Messen nun in der Klosterkirche Nonnberg gefeiert werden.

DER ORDEN

»Ora et labora (et lege)« 

Bete und arbeite (und lies), dieser Ausspruch wird allgemein als Grundsatz der Benediktiner angesehen. Er stammt jedoch nicht aus der Regula Benedicti, sondern erst aus dem Spätmittelalter. Gegründet wurde der Orden von San Benedetto da Norcia. 480 in Perugia geboren. Die Benediktiner gelten als der älteste westliche Orden. Die Mönche und Nonnen leben ein zölibatäres Leben unter Verzicht auf persönliches Eigentum. Bei ihrem Profess legen sie drei Gelübde ab, die »Stabilitats«, eine lebenslange Bindung an ein bestimmtes Kloster, die »Conversatio morum«, den klösterlichen Lebenswandel und »Oboedientia«, den Gehorsam. Heute bestreiten die Schwestern ihren Lebensunterhalt mit den Erträgen des »Erentrudishofes«, einer biologischen Landwirtschaft in Morzg.

 

DIE HEILIGE ERENTRUDIS

»Glühend war die Macht ihrer Rede, den Hartnäckigen die harten Herzen zu erweichen und mit dem Salz der Weisheit und dem Honig der Liebe zu würzen.«
Caesarius, Klosterkaplan im 14. Jahrhundert

Gegründet wurde das Kloster von dem aus fürstlichem Geschlecht stammenden heiligen Rupert, Bischof von Worms, den Bayernherzog Theodo II. zur Missionierung in die verfallene römische Siedlung Iuvavum (Salzburg) sendet. Ausgestattet mit den Erlösen aus dem Salzabbau in Bad Reichenhall errichtet er dort zu Ehren des heiligen Petrus eine Kirche und gründet 696 das Mönchskloster St. Peter. Zwischen 711 bis 715 folgt das Kloster Nonnberg.

Als erste Äbtissin und zur Unterstützungen seiner Missionarstätigkeit setzt Rupert seine um 650 in Worms geborene Nichte oder Schwester Erentrudis ein. Über ihr Leben ist wenig bekannt. Erentrudis stirbt am 30. Juni 718 und wird schon nach wenigen Jahrzehnten als Heilige verehrt. Teile ihrer sterblichen Überreste befinden sich in einem kostbaren Büstenreliquiar aus den Jahr 1318 und einem um 1674 gefertigten silbernen Schrein sowie dem sogenannten »Sargerl«, mit welchem der Reliquiensegen gespendet wird. Ihr Felsengrab befindet sich in der Krypta der Nonnberger Stiftskirche Mariae Himmelfahrt.

 

EIN BESONDERES JUWEL

»Das Paradies«

Nur wenigen ist bekannt, dass sich einige der künstlerisch hochwertigsten romanischen Fresken Österreichs in 12 Nischen im hinteren der Teil der Kirche unter dem Nonnenchor befinden. Dargestellt sind Päpste, Bischöfe und Heilige. Die gotische Johanneskapelle mit dem um 1448 bis 1451 errichteten Netzrippengewölbe und dem Veit Stoß (ca. 1447 bis1533) zugeschrieben Marienaltar kann nach Anmeldung an der Pforte besichtigt werden.

 

SOUND OF MUSIC – HEUTE UND GESTERN

»Frau von Weisheit, Frau von Liebe, stark und demutsvoll zugleich.« 

Aus dem Erentrudislied der Schwestern Emmanuel und Miriam

Dieses Lied wurde anlässlich des Jubiläumsjahres »1300 Jahre hl. Erentrudis« zu Ehren der Heiligen zu deren Festtag, dem 30. Juni, verfasst. Die Musik spielt im Leben der Nonnen eine große Rolle. Ein besonderes Erlebnis für Besucher ist der gregorianische Choral, welchen sie bei der heiligen Messe in der Früh sowie bei der nachmittäglichen Vesper singen. Vielleicht haben diese Gesänge damals auch die junge Hilfserzieherin im damaligen Internat, Maria, spätere Frau von Trapp, inspiriert. Der Film »Sound of Music« mit der Geschichte der singenden Familie von Trapp machte das Kloster international bekannt und das, obwohl keine einzige der Filmszenen im Kloster gedreht wurde.

Musikalisch öffnet sich das Kloster: seit März 2018 finden an jedem letzten Sonntag unter dem Titel »Nonnberger Abendsmusiken« außerliturgische Kirchenmusikveranstaltungen in der Stiftskirche statt, am 7. November um 19.30 ein Konzert im Rahmen des »Kirchenmusikalischen Herbstes«.

Äbtissin Veronika Kronlachner: »Man kann uns schreiben, anrufen. Wir freuen uns auch über Frauen, die Stille suchen und an unserem Gebet teilnehmen möchten« (SN).

FOTOS Andreas Kolarik, TEXT Mag. Eva von Schilgen

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