Die Salzburger Schranne ist mehr als ein Wochenmarkt mit kulinarischer Vielfalt. Bei allem Trubel bleibt immer Zeit zum Plaudern und Genießen mit Freunden: Entschleunigung pur im Herzen der Stadt.

Wenn über der Andräkirche langsam die Sonne aufgeht und die ersten, wärmenden Strahlen sanft über die Dächer blinzeln, erblüht die Schranne jetzt im Frühling in voller Pracht. Nach und nach füllt sich der Markt mit Menschen, die nach Schmankerln Ausschau halten, mal hier mal da kosten und mit einem Augenzwinkern feilschen. Man »pflanzt« sich gegenseitig und genießt die familiäre Atmosphäre. Und das Beste: Man muss sich gar nicht verabreden, denn irgendwen trifft man immer.
»Griaß di Franz! Wie geht’s dir?«, ruft ein Herr dem Mann hinter der Theke zu. »Gut und dir? Hier, kost‘ das mal. Sehr schöne Marmorierung«, erwidert Franz Kriechbaum, seines Zeichens Metzger aus Lochen. Seine Kunden schätzen, dass die Metzgerei die Tiere aus bester Haltung von Bauern ihrer Region bekommt und selbst schlachtet. Da setzt Kriechbaum sehr auf den persönlichen Kontakt mit den Lieferanten. Vom zarten Milchkalb, 6 Wochen abgehangenen Steaks, über Nierenbraten bis zu Weidelamm und Wollschwein kann man sich hier schon beim Einkaufen aufs Kochen freuen. Und nach der Verkostung hat die schöne Marmorierung des feinen Schinkens den Herrn übrigens auch überzeugt.

Ob Regen oder Sonnenschein: Bereits seit 40 Jahren steht sie jede Woche auf der Schranne, ohne jemals einmal »geschwänzt« zu haben, sagt Theresia Lindner aus Seekirchen mit einem herzlichen Lächeln. Sie baut jeden Donnerstag einen improvisierten Stand auf, mehr braucht sie nicht um ihre Waren ins rechte Licht zu rücken. »Alles selbstgemacht«, betont sie mit sichtlichem Stolz. Kleine Flaschen mit Sirup aus köstlicher Zitronenmelisse und fruchtigen Hollerblüten stehen neben Erdbeermarmeladen, Salbei und liebevoll geflochtenen Kränzen. Auch Hasen und Gockeln, geformt aus gepresstem Heu, für die Osterzeit findet man bei ihr. Der angenehm-intensive Duft der frischen Bärlauchbündel im Korb auf dem Holztisch steigt uns in die Nase, und wir können nicht widerstehen auch davon ein paar mitzunehmen.

 

Handschlag-Qualität

Gleich gegenüber liegt der Obst- und Gemüsestand von Markus Schreilechner aus Wals. Bereits seit 1991 bietet er seine Produkte an, die er, soweit saisonal möglich, selbst anbaut. Darüber hinaus führt er unter anderem Riesenpaprika und Honigtomaten aus Italien und Frankreich, die wir auch verkosten dürfen. Was für ein Aroma! Er arbeitet mit den dort ansässigen Bauern zusammen, die im Gegenzug von ihm im Winter Produkte kaufen, die dann hier wachsen. Damit ist jedem geholfen, und man muss nichts von noch weiter her teuer importieren. Es ist jetzt so ziemlich der Höhepunkt der Geschäftigkeit erreicht auf der Schranne. Doch diesen Mann bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Zum Abschied schenkt er uns noch eine dicke Scheibe Ananas, so süß wie die Liebe.

Ein paar Schritte weiter treffen wir auf den Stand der Privatkäserei Höflmaier aus Lochen. Die Brüder Josef und Thomas Höflmaier führen gemeinsam den 1931 gegründeten Betrieb. Ganze drei Generationen arbeiten hier gleichzeitig zusammen. Daher auch die Hommage auf dem Butterschmalztopf »Danke Oma«, denn sie war es, die das Schmalz zum ersten Mal gemacht und verkauft hat. Genauso wie die köstlichen Kaspressknödel, die die rüstige Dame immer noch nach eigenem Rezept herstellt. Auch Sauerrahm, Tilsiter und die Butter sind natürlich selbstgemacht. Aber selbst wenn andere Produkte hinzugekauft werden, entstehen gegenseitig unterstützende Symbiosen: Der eine liefert Brot, Höflmaier die Butter zur Herstellung.

 

Gestern wie heute

Weil wir gerade bei Brot sind: Wir schauen noch bei Landwirt und Bäcker Günther Fuchshuber aus Offenhausen vorbei. Auch er hat einen kleinen Stand, wie man ihn auf der Schranne immer wieder sieht. Eine schmale Ladentheke, dafür mit vielen großen Brotlaiben bestückt. Und den Kunden gefällt’s. Denn schmackhaftes Bauern- und Roggenvollkornbrot aus dem Holzofen und das Störibrot mit Koriander und Fenchel sind einfach nur köstlich. »Das Störibrot hat mein Großvater früher als Weihnachtsspezialität gemacht, jetzt mach‘ ich es auch übers Jahr hinweg«, sagt er. Störi kommt übrigens aus dem Althochdeutschen und bedeutet Kraft.

Energie tanken ist jetzt auch noch einmal angesagt, um die schweren Taschen nach dem Besuch auf der Schranne nach Hause zu tragen. Also noch schnell auf ein Paarl Würstl und ein Seidl Bier. Es geht sowieso schon auf Mittag zu. Eierbäuerin Maria, die zur Schranne einfach nur einen Sessel für sich und einen Klapptisch für die Eier mitbringt, alles jetzt unter den Armen tragend, kommt nach getaner Arbeit vorbei und winkt mir noch zu. Ihr Lachen zeigt jede Falte in ihrem Gesicht, das im Sonnenschein und blauem Himmel wirkt wie ein Gesamtkunstwerk. Ich kann mich jetzt nur noch der Verabschiedung der beiden Stammgäste neben mir am Würstelstand anschließen: »Servus Burgi. Bis nächste Woche!«.

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