Kleine Theater- und Performancegruppen tragen wesentlich zum kulturellen Bild Salzburgs bei. Ob Vorführungen auf eigener Bühne, als Gäste in anderen Häusern oder Auftritte im öffentlichen Raum: Sie eint die Lust am Darstellerischen und die Neugier zu experimentieren.

Theater- und Performancegruppen in Salzburg. Seit mehr als drei Jahrzehnten prägt das Toihaus im Andräviertel mit einem Team an Profis aus Bereichen wie Schauspiel, Musik, Bühnenbild und Komposition die Linie des Hauses. Wobei sich das Toihaus von einer freien Gruppe zu einer fixen Größe entwickelt hat, die Fundamente des Selbstverständnisses allerdings geblieben sind. Als Grenzgänger zwischen den Genres verbinden sie traditionelle Sparten mit neuen Medien, bildender Kunst, Tanz und Theater. So entstehen poetische und sensible Stücke mit viel Raum für Improvisationstechniken. Neben der Abendschiene für Erwachsene hat sich das Team auch auf Kindertheater selbst für die Allerkleinsten spezialisiert. »Partizipation, Demokratie, Diskurs und Innovation waren und sind Kernelemente jeder freien Szene«, sagt die künstlerische Leiterin Cornelia Böhnisch. Und obwohl bereits seit langer Zeit etabliert, aber nicht festgefahren, bietet das Toihaus seinem Publikum jede Saison aufs Neue außergewöhnliche Arbeiten.

Die Finanzierung ist natürlich für kleinere Häuser und Gruppen immer ein Thema. »Wer den Weg in die freie Szene einschlägt, tut das nicht um Geld zu verdienen«, sagt dazu Sonja Prlicˇ vom Künstlerkollektiv »Gold Extra«. Seit 1998 schaffen sechs Künstler unter diesem Namen und mit Hauptquartier im Künstlerhaus mit verschiedensten Stilmitteln spannende Medienkunst. Der Fokus liegt hier auf performativen Computerschöpfungen, experimentellen Medien und interdisziplinären Projekten, sowie gesellschaftskritischen Dokumentarszenarien, etwa über Grenzen und deren Überschreitung in der Kunst wie in der gesellschaftspolitischen Realität. Aber auch Stücke mit selbstgebauten Robotern erblickten schon das Licht der Öffentlichkeit. Auch wenn »Gold Extra« sich seinen Status wie viele andere hart erkämpft haben, ist das in Österreich allzu bekannte »Sudern« nicht ihre Sache. Karl Zechenter meint dazu: »Auch wenn wir viel Zeit und Geld in unsere Projekte investieren, wir haben uns das ausgesucht und machen es mit Freude.« Denn am Ende macht es Sinn für »Gold Extra« und auch für das Publikum.

Traditionelles, konventionelles Theater macht auch »ohne Titel« sicher nicht. Die Gruppe, die sich eher als Netzwerk für Theater- und Kunstprojekte ohne festes Haus, nur mit Atelier im Künstlerhaus versteht, geht mit Erfolg seinen Weg mit poetisch-surrealen Ansätzen. Sei es auf dem Salzburger Kommunalfriedhof, auf einer Hochbühne auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs mit kontemplativer Aussicht oder dem Postamt Mitzi: Nichts ist zu ungewöhnlich, um es wieder mit der Realität zu verweben. Die bibliophile und bildhaft arbeitende Gruppe entwickelt und produziert die Stücke gemeinsam, adaptiert auch Buchvorlagen und wandelt sie in individuelle Erlebnisse für den Betrachter um. Ihr erfolgreiches Stück »Papelucho« für alle ab 5 Jahren in einer »Trickkisten-Objekt-Figuren-Wunderbühne« wird wiederaufgenommen und geht dann sogar drei Monate nach Chile auf Tournee. Klingt nach künstlerischer Freiheit pur. Arthur Zgubic von »ohne Titel« meint dazu: »Der Begriff freies Theater stammt ja aus einer Zeit, als es noch eine Art Kampfzone zwischen institutionell und antiinstitutionell, zwischen Repräsentationskultur und politischer Revolutionskultur gab. Wenn aber freies Theater als Begriff heute nur noch für ›Produzieren unter prekären Arbeitsbedingungen‹ steht, dann hat sich das dieser Begriff nicht verdient. Nicht von wo aus er sich formuliert hat«.

Heute blüht die Theaterszene in Salzburg und trotzt tapfer den Schwierigkeiten, die so manches Mal mit dem laufenden Kulturbetrieb einhergehen. So etwa auch das Theater Ecce. Mit viel Engagement und Herzblut entwickelt Reinhold Tritscher mit einem internationalen Ensemble gesellschaftspolitisches, inklusives und partizipatorisches Theater und theaterpädagogische Projekte. »Die Zusammenstellung des Ensembles und der Aufführungsorte ergeben sich aus dem Stück und dessen Aussage«, so Tritscher. So entstehen regionale, nationale und internationale Kooperationen mit Partnern aus Kunst, Bildung, Sozialem und Wirtschaft. Ein hehrer Anspruch, dem jedoch außerordentlich gut entsprochen wird. Unser letzter Besuch gilt dem Kleinen Theater, dem Haus der freien Szene. Ursprünglich war es nur ein bespielter Raum ohne Subvention und großangelegtem Programm. Caroline Richards und Fritz Egger haben damals ein Team aus der freien Szene zusammengestellt und die künstlerische Leitung übernommen. »Wir wollten uns aufmachen für die freie Szene«, sagt Richards. Peter Blaikner ergänzt: »Wir geben der freien Szene eine Plattform. Wir müssen aber auch auf unser Publikum schauen, das eher in Richtung Komödie mit Niveau geht. Die Gruppen produzieren ihre Stücke selbst und bekommen siebzig Prozent der Einnahmen.« Das Programm des Kleinen Theaters ist dementsprechend eine abwechslungsreiche Mischung aus Kabarett, Theater, Musik und Kindertheater. Als Hafen der »Kleinen« mit vielen Anfragen sondiert der Vorstand aber auch genau. »Das müssen wir, weil wir leben ja zu zwei Drittel von den Einnahmen und zu einem von Subventionen. Und wenn kein Publikum mehr kommt, dann ist es vorbei«, so Blaikner. Die gewisse Freiheit, die man laut Richards in der freien Szene in der Aussage und der Gestaltung hat, nutzt das Kleine Theater für die neue Saison dann auch wieder für Stücke wie »Die halben Wahrheiten«, Blaikners »Betrogene Betrüger«, einem Festival der besten Off-Produktionen, oder dem einzigen Frauen-Kabarett-Festival Österreichs. Wir können nur sagen: Schauen Sie sich das an!

 

Hier noch ein paar Termine für Gold Extra:

31.08.2018: Stranger Home – Talk mit Tobias Hammerle. Game Dev Days Graz. www.gamedevdays.com/schedule/stranger-home/

26.09.2018, 19:00 Uhr: Cyborg ärgere dich nicht. Spielen und Sprechen über Games. DAS KINO, www.goldextra.com/cyborg-aergere-dich-nicht

Gold Extra Open Studios:

23.10.2018, 19:00 Uhr: Moving beyond Fiction – Talk mit Georg Hobmeier

13.11.2018, 19:00 Uhr: NoWat – wie (er)findet man Social Media, mit Tobias Hammerle.

27.11.2018, 19:00 Uhr: „Haus der Verantwortung“ mit Karl Zechenter und Sonja Prlic

04.12.2018, 19:00 Uhr: Digital Analog Animation mit Reinhold Bidner

02.-09.02.2019, ganztägig: Tools of Subversion. Ausstellung ARGEkultur

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