Vorbei die Zeiten, als Bars in Salzburg ein mehr als überschaubares Angebot hatten und um zehn Uhr die Gehsteige hochgeklappt wurden. Heute ist vom Konzept bis zu den Drinks Innovation angesagt. Die Barszene in der Salzburger Altstadt lebt!

Auf unserer Bartour begleitet uns die Salzburger Musikerlegende Michael Steinitz, vielen besser bekannt als »Stootsie«. Zusammen spazieren wir die wenigen Meter von seinem Geschäft »Riverside Guitars« am Ursulinenplatz hinunter in die Gstättengasse.

1 Soulman

Der erster Stopp unserer Bars: Das Mentor’s. Der Name dieser klassischen Bar in authentischem Ambiente ist zugleich Vorname und Lebenseinstellung des Inhabers. Denn Mentor kümmert sich fürsorglich um seine Gäste in seinem kleinen, feinen Lokal, das er gemeinsam mit seinem Vater und Bruder eigenhändig renoviert hat. »Eine Bar muss eine Seele haben«, sagt er dann auch. Als Freund der klassischen Cocktails finden sich Negroni, Old Fashioned, Daiquiri oder Aviation Cocktail auf der Karte. Daneben liebt Mentor es aber auch, Eigenkreationen zu entwerfen. Basierend auf Klassikern zaubert er auch gerne »personalized« Drinks, »die Leute können hier ihren Geschmack bestellen«, verfeinert mit frischen, hochwertigen Produkten und selbstgemachtem Vanillesirup oder in Vodka angesetztem Büffelgras. So entstehen Köstlichkeiten wie der Gin Basil Smash, Vanilla Sky und der umwerfende Espresso Martini. Selbstverständlich ist hier auch, dass man zu jedem Drink ein Glas Wasser von einem der professionellen Mitarbeiter serviert bekommt, die stilecht Hosenträger tragen.

2 Zum Wohl der Evolution

Stootsie führt uns nun über die Staatsbrücke hinüber zum Platzl. Im Darwin´s zeichnen die Landkarten an den Wänden in roter Linie den Weg Charles Darwins rund um den Globus nach. »Wir verwenden für unsere Cocktails unter anderem Zutaten, die jeweils für einen Kontinent repräsentativ sind. Man kann hier also mit den Drinks praktisch einmal um die Welt reisen«, erklärt Geschäftsführer Andreas Allesch. Barchef Attila Szelhoffer bietet seinen Gästen Kreationen wie den Eucalyptus Cooler mit Vodka aus Neuseeland, Cuban Beach oder Moscow Mule. Die Experimentierfreude des Teams zeigt sich auch, wenn etwa Popcorn- und Habanerosirup Verwendung finden. Nachhaltigkeit ist im Darwin’s ebenso wichtig, es gibt zum Beispiel keine Plastikstrohhalme mehr, sondern nur noch solche aus Papier. Wer den kleinen Hunger verspürt, wird, trotz fehlender Küche im Lokal, nicht enttäuscht. In Zusammenarbeit mit der benachbarten Shrimps Bar werden Vorspeisen aus deren Angebot gereicht.

3 Mit Stil, Charme und Champagner

Wir begeben uns wieder zurück auf die andere Seite der Salzach. Dort, im Sternbräuhof, befindet sich das Little Grain. Das Gewölbe mit sanft beleuchteter Bar und gemütlichen Sitzecken lädt bei loungiger Musik zu auserlesenen Cocktails aus den 1920er-Jahren, feinsten Ginsorten und Signature Drinks ein. Das Ambiente bewegt sich zwischen edler Speakeasy-Atmosphäre und American Cocktail Bar. Die ausgezeichnete Beratung des Teams erleichtert die Wahl des passenden Getränks und ebnet den Weg für einen entspannten Abend mit guten Gesprächen. Geschäftsführer Patric Roth: »Wichtig ist, dem Gast zuzuhören. Wie möchte er seinen Drink haben, etwa bei Martinis. Das macht eine gute Bar aus.« Sehr empfehlenswert sind der Moet Vintage, die Tiki Drinks oder ein Tequila Infusion mit frischen Erdbeeren. Es gibt im Little Grain immer wieder Themen wie Abwandlungen des Negroni, danach geht es wieder zu den Signature Drinks, bis das nächste Thema lockt. Hausgemachte Limonaden runden das Angebot auch im Bereich der alkoholfreien Getränke ab.

4 Gatsby, Carroll und ein Highball

Körper und Geist in beschwingten Einklang gebracht führt uns Stootsie zum »Schwesterlokal« Herbert’s Bar direkt an der Pferdeschwemme, wo uns der »Schmäh« der Barkeeper schon an der Tür begrüßt. Das große Thema sind hier die High Balls. Der erste dieser Drinks entstand übrigens im 19. Jahrhundert aus Johnny Walker und Soda. Und für Scott F. Fitzgerald gehörten die High Balls in seinen Romanen fast schon zum Inventar. Einen Stock tiefer, im Gewölbe, bezaubert das Thema Alice im Wunderland, von den Lampen, allesamt Charaktere des Romans, bis zu Getränken serviert in Teekannen. Wenn dann noch ein Rasp-berry Mojito oder ein Gin Basil Highball mit Lime Sugar und Tanqueray ihre Aufwartung machen, zeigt das Leben endgültig seine beste Seite. Eiswürfel werden hier übrigens nicht verwendet, sondern Ice Balls. Weiters locken achtzehn verschiedene Ginsorten aus Österreich. Wer es nicht glaubt oder einfach nur neugierig geworden ist, sollte einfach vorbeikommen.

5 Show me the way…

Jetzt hat Stootsie noch einen letzten Leckerbissen für uns auf Lager. In der Lederergasse residiert seit etwa zehn Monaten Chris O’Shea mit seinem Salzburg Whiskey Museum. Rund dreihundert verschiedene Whiskeysorten und zehn Fassbiere warten hier auf trockene Kehlen. Das Irish Pub besticht durch ein einzigartiges Interieur, das O’Shea selbst zusammengetragen und entworfen hat. Klavierteile als Sofabeine, eine Bar aus zweihundertfünfzig Jahre alten Türen, alte Kutschenleuchter über der Eingangstür: Man merkt, hier ist ein echter Barliebhaber am Werk. »Jedes Detail hat seine Geschichte, das ist mir wichtig. Ich möchte den Gästen ein Erlebnis vermitteln«, sagt O’Sheah mit einem Leuchten in den Augen und hat schon die nächste Geschichte parat. Im oberen Bereich der Bar, mit gedämpftem Licht und gemütlichen Couchecken, veranstaltet er auch buchbare Whiskeyverkostungen, bei denen zu jedem Getränk historische Fakten und Anekdoten vom Hausherrn persönlich geboten werden. Zum Abschluss setzt sich Stootsie noch an das alte Piano an der Wand und spielt für uns die letzten Takte dieses denkwürdigen Tages, während wir noch einen Schluck »Writer’s Tears« Whiskey genießen.

FOTOS Andreas Kolarik, TEXT Bernhard Ostertag

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